Hanscraft & Co.: Nachtschwarzes Hammerstout als Cuvée

20181207_142226Christian Hans Müller überraschte schon in den vergangenen Wintern mit ein paar richtig guten fassgereifte Spezialitäten. Gerade legte der Hanscraft-Chef aus Aschaffenburg wieder was ganz Besonderes vor: Ein 10,5-prozentiges Imperial Stout namens „Vintage 2018“. Dafür lagerte das Jahrgangsbier mehrere Monate in Whiskey- und Weinbrandfässern, bis es zu einer Cuvée verschnitten wurde.

Schon fast ölig gleitet das Hammerstout nachtschwarz ins Glas. Ein mokkafarbener, cremiger Schaum bedeckt die Oberfläche. Das Bier duftet leicht röstig, nach Zartbitterschokolade und etwas holzig mit Anklängen von Whiskey und Weinbrand. Auf der Zunge breitet sich die dunkle Schönheit samtig-weich mit einer moderaten Kohlensäure aus. Aromen von Röstmalz, Holz, Zartbitterschokolade, Dörrobst und Whiskey präsentieren sich angenehm. Im Finish zeigt sich noch eine zarte Karamellnote, bis sich das Stout knochentrocken verabschiedet.

Fazit: Ein wirklich gelungenes fassgereiftes Bier. Die Aromen des Stouts und die Noten der Fässer mit den jeweiligen Vorbelegungen sind harmonisch eingebunden und machen das „Vintage 2018“ zu einem runden Gesamtbild. Ich werde mir auf jeden Fall noch ein paar Flaschen besorgen und diese im Keller ein paar Jahre reifen lassen.

Ratsherrn: Die Rache des Captain Ahab

Ratsherrn Ahabs RevengeFassgereifte Biere scheinen in diesem Jahr so beliebt zu sein, wie noch nie zuvor. Gerade erst stellte auch die Ratsherrn Brauerei aus Hamburg eine solche Spezialität in die Regale. Dabei geht es aber nicht um ein Imperial Stout, sondern um ein in Barrique-Gebinden spontanvergorenes „Sour Barrel Aged Belgian White Ale“. Das Hanseaten-Team ließ für diese Version ihr „Moby Wit“ fast drei Jahre in Madeira- und Bordeaux-Fässern schlummern.

Das Ergebnis heißt „Ahab’s Revenge“, besitzt 5,8 Prozent Alkohol und schwimmt in einem trüben Goldorange-Ton im Glas. In diese Nasen strömt ein frischer Duft von Joghurt und Vanille mit einem ergänzend hefigem, holzigem sowie fruchtigem Charakter. Auf der Zunge präsentiert sich das fassgereifte Bier cremig-weich mit einer moderaten Säure und einem weinigen Anklang. Dazu gesellen sich mostige Fruchtnoten, die an Birne erinnern, sowie Aromen von Joghurt und Vanille. Im Finish bleibt eine gewisse Würzigkeit noch lange am Gaumen zurück.

Fazit: Dieses Bier ist wirklich eine Verkostung wert. So eine fassgereifte Variation habe ich bisher selten im Glas gehabt und muss sagen: ich bin begeistert. Das Aromaspiel ist komplex, aber schön harmonisch und keinesfalls zu sauer. Bietet sich auch als schmackhafter und frischer Aperitif an.

Fassgereiftes am Hafen von Portree

Nach einem aufregenden Tag auf der Isle of Sky im Westen Schottlands, war die Hafenstadt Portree unser Ziel für den Abend. In einem kleinen Restaurant aßen wir Fisch mit Pommes, dazu ein Guinness. Die Bierkarte war leider sehr enttäuschend. Um den Abend aber doch noch gemütlich ausklingen zu lassen, entschieden wir uns für ein Innis & Gunn Oak Aged mit über sechs Prozent Alkoholgehalt auf einer Treppe die ins Meer führt.

Foto: Elena Hasenbeck
Foto: Elena Hasenbeck

Während wir beobachteten wie ein Fischkutter am Hafen anlegte und die Möwen kreischend durch die Luft flogen, leuchtete das fassgereifte Oaked Aged kupferfarben durch die weiße Flasche. Es roch nach Karamell, Malz und Vanille. So wie in der Nase, so auch im Mund: allerdings kamen noch Röstaromen hinzu. Ganz klar dominierten die Vanillenoten. Im Abgang ließ sich etwas holziges vermuten.

Das Oak Aged von Innis & Gunn taucht in allen möglichen Bierführern auf und wird durch seinen Fassausbau als Spezialität gepriesen. Für mich war es definitiv eine Erfahrung, geschmacklich hat es mich aber nicht überzeugt. Daran konnte auch die Atmosphäre in einem der schönsten schottischen Hafenstädtchen nichts ändern.

Foto: Elena Hasenbeck
Foto: Elena Hasenbeck