Firestone Walker: Ganz großes Kino mit amerikanischem Jahrgangsbier

Es war mal wieder Zeit für eine Inventur in meinem Bierkühlschrank. Alles raus, geordnet, eingelagert und anschließend auch eine ganz besondere Spezialität genossen. In den hinteren Rängen fand ich das „22. Anniversary Ale“ von Firestone Walker von 2018. Jedes Jahr präsentieren die Kalifornier ein besonderes Jahrgangsbier, wofür sie ein paar Winzer einladen, die sie beim Blending unterstützen.

Diese Vintage-Cuvée besteht aus mehreren verschiedenen, fassgereiften Ales. Darunter etwa zwei Barley Wines, die in Rum- und Gin-Fässern schlummerten, ein Central Coastal Quad sowie ein Imperial Stout und ein Imperial Brown Ale aus Bourbon-Fässern – die Reifezeit bei den jeweiligen Barrels ist ebenso unterschiedlich wie die ausgewählten Sorten.

Aber jetzt zum Bier: In einem attraktiven, rotbraunen Farbton fließt das 12,7-prozentige Cuvée ins Glas. Ein nussbrauner, feinporiger und stabiler Schaum liegt oben auf. In die Nase strömen Noten von Dörrobst wie Bergpflaume und Rosine. Hinzu kommen Aromen von Nougat, Holz, Vanille, Zuckerrüben und Umami. Auf der Zunge breitet sich das Starkbier cremig-weich und süßlich aus, bis sich schmeichelnde Töne von Waldhonig, Schokolade, Holz, Rum-Topf, dunklen Beerenfrüchten, Karamell und Toffee entfalten. Im Finish bleiben die Aromen noch lange, lange zurück.

Fazit: Wow, einfach nur wow. Dieser Sud ist ganz großes Kino, unfassbar rund und harmonisch. Ich habe in meinem mittlerweile mehr als zehnjährigen Craftbier-Leben wohl inzwischen ein paar tausend Biere degustiert, aber dieser Trunk von Firestone Walker gehört ganz sicher zu den besten in diesem Jahr. Das Aromaspiel zeigt sich total komplex, sodass sich bei jedem Riechen und Schmecken eine weitere Note entpuppt. Selbst der kräftige Alkoholgehalt ist so gut eingebunden, dass man ihn erst gar nicht bemerkt. Ein wirklich faszinierendes Bier, das ich gern mit meinen Liebsten geteilt habe. Im Kühlschrank wartet jetzt noch die Version aus 2019, die ich aber erst im Winter aufmache.

Einbecker Spezialböcke mit hohem Genusspotential

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Bockbier zählt hierzulande nicht nur zu den traditionellsten Bierstilen, sondern inzwischen auch zu den beliebtesten. Allerdings wird dieser Sud international ganz unterschiedlich interpretiert: Egal ob hell, dunkel oder bernsteinfarben, mit verschiedenen Aromahopfensorten, fassgereift oder mit ganz unterschiedlichen Alkoholprozenten, die manchmal auch jenseits von zwölf Prozent liegen. Doch auch wenn sich das Spielfeld der Bockbiere infolge ihrer Beliebtheit enorm ausgeweitet hat, besteht bei vielen Bier-Genießern immer noch der Irrglaube, dass die Bayern diesen Bierstil erfunden hätten. Das ist falsch: Die Geburtsstätte des Bockbiers liegt im niedersächsischen Einbeck.

Mit 742 amtlich registrierten Brauherren war die alte Hansestadt einst Deutschlands Biermetropole schlechthin. Hier wurde schon im 11. Jahrhundert mit feinen Gerstensäften gehandelt, die damals allerdings noch „Ainpöckisch Bier“ hießen und als langhaltbares Lebensmittel galten. Die älteste noch vorhandene Rechnung für „zwei Tonnen Einbecker Bier“ ist auf den 28. April 1378 datiert. Dieses Jahr gilt auch als Gründungsdatum des Einbecker Brauhauses, in dessen heiligen Hallen das Bockbier erfunden wurde. Damals war das norddeutsche Bier vor allem bei bayerischen Fürsten und Herzögen besonders beliebt. Angeblich bestellte der bayerische Hof den edlen Gerstensaft schon im Jahre 1550. Der Import per „Biertreck“ wurde aber irgendwann zu teuer, so dass die Bayern einfach einen Braumeister aus Einbeck abwarben, der den Trunk in München „nach ainpöckischer Brauart”, so die damalige Bezeichnung, produzierte. Aus dem bayerischen Dialekt soll sich mit der Zeit der Begriff „Bock“ entwickelt haben.

Das Original stammt aber immer noch aus Einbeck. Mit den Jahren entwickelte sich die Brauerei weiter und legt neben den klassischen Böcken auch saisonale Spezialitäten vor. Aktuell gibt es neue Besonderheiten: Gerade erst kam wieder der 7,5-prozentige Doppelbock namens „Winter-Bock“ in Ur-Form auf den Markt und davon gleich eine gereifte sowie eine fassgelagerte Version. Die Ursprungsform des Saison-Bocks präsentiert sich in einem strahlenden und klaren Bernsteinton. Ein cremefarbener, fein- bis mittelporiger und fast schon sahniger Schaum liegt oben auf. In die Nase strömen verführerische Noten von Karamell, Dörrpflaume, Toffee, Waldhonig und ein Anklang von gebrannten Mandeln. Auf der Zunge zeigt sich der „Winter-Bock“ vollmundig mit einer harmonisch eingebunden Kohlensäure. Der Geschmack kennzeichnet sich durch ein Aromaspiel aus Karamell, Dörrfrüchten und gebrannten Mandeln neben einer sanften Röstigkeit sowie einem angenehm herben, trockenen und malzaromatischem Finish.

Etwas anders in der Aromatik und im Erscheinungsbild zeigt sich die Winter-Bock-Version vom Jahrgang 2021, wovon eine limitiere Menge zur nachträglichen Veredelung noch mehrere Monate im Tennessee-Whiskeyfass schlummerte. Der Whiskey-Winter-Bock leuchtet appetitlich kupferfarben, getoppt von einem cremefarbenen, feinporigen Schaum. Im Duft dringen hier typische Whiskey-Fassnoten von Kokosnuss, sanfter Vanille sowie etwas Holziges durch. Hinzu gesellen sich malzige und florale Töne. Das Mundgefühl gestaltet sich cremig-weich mit einer zarten Karbonisierung. Auch im Geschmack sind deutlich Holz- und Kokos-Aromen zu finden, die sich mit Noten von Karamell und einer leichten Säure vereinen, die entfernt an Balsamico erinnert. Auch bei der fassgereiften Version verabschiedet sich das Bier angenehm trocken, aromatisch und mit einer gewissen Herbe.

Als echtes Highlight aus dem Hause Einbecker gilt der „Aged Bock“ aus dem Jahrgang 2015. Heißt: Einen Teil der Charge des „normalen“ Winter-Bocks reifte das Brau-Team für mehr als sechs Jahre im dunklen, mittelalterlichen Gewölbekellers des historischen Rathauses am Marktplatz – bei konstant kühler Temperatur. So zeigt sich der flaschengereifte Jahrgangsbock in einem attraktiven, opalenen Mahagoni-Ton im Glas, ein mittelporiger, stabiler Schaum thront obendrauf. In die Nase strömen angenehme Alterungsnoten von Holz, Mandel, Amarena-Kirsche und einem Anklang von süßlichem Sherry. Auf der Zunge breitet sich eine sanfte Kohlensäure aus, bis schmeichelnde Aromen von Holz, Malz, Waldhonig und Amarena-Kirsche durchdringen. Im Finish bleibt ein angenehmer Touch von Brotkruste mit einer harmonischen Herbe noch lange zurück.

Mit der jahrelang gereiften und der fassgelagerten Version des Winter-Bocks beweist das Brau-Team des Einbecker Brauhauses, dass es zugleich ihre Tradition bewahrt, aber mit ganz besonderen Spezialitäten dennoch offen ist für neue Wege. Ich bin wirklich gespannt, mit welchen Genussüberraschungen in den nächsten Jahren noch zu rechnen ist.

Schneider Weisse: Kellergereifte Cuvée aus dem Holzfass

Dass es sich wirklich lohnen kann, ein Bier mal ein paar Jahre im Keller reifen zu lassen, beweist das „Cuvée Barrique Tap X 2017“ von Schneider Weisse aus dem niederbayerischen Kelheim. Braumeister Peter Drexler verschnitt diesen Weizendoppelbock einst mit „Mein Aventinus“ und „Aventinus Eisbock“. Der Mixed-Sud reifte daraufhin zur perfekten Vollendung mehrere Monate in Eichenfässern.

Nach nun knapp vier Jahren zusätzlicher Lagerung im hauseigenen Bierkeller präsentiert sich das „Cuvée Barrique“ in einem rotbraunen Gewand und mit einem cremefarbenen, feinporigen sowie instabilen Schaum. Es duftet noch immer nach dem Fass. Ergebnis:  Noten von Vanille und Holz – und im Hintergrund strömt noch etwas Kokosnuss in die Nase. Dazu gesellen sich fruchtige Aromen von überreifer Banane, Rosinen und Dörrpflaume sowie ein gewisser Touch von Karamell, Schokolade, Leder und Lagerfeuer. Im Antrunk zeigt sich der gereifte Weizendoppelbock angenehm säuerlich-aromatisch mit einer feinen Rezenz. Der Körper präsentiert sich vollmundig. Die Säure ist harmonisch eingebunden, während sich eine sanfte Süße im Hintergrund bewegt. Im Geschmack spiegelt sich das Aromaspiel des Buketts. Das Finish gestaltet sich trocken und ein säuerlicher Eindruck bleibt noch lange zurück.

Fazit: Ich habe das Bier schon 2017 probiert, als es frisch auf den Markt kam. Schon damals war es ein hoher Genuss, aber Jahre zusätzliche Reifung haben mit den damit verbundenen Alterungsnoten aus dem Sud eine ganz besondere Aromawucht gemacht. Ich bin begeistert und freue mich auf noch weitere Biere, die in meinem Keller zur Reifung schlummern.

Partnerprogramm: Riegele BierManufaktur bringt neue fassgereifte Spezialität heraus

Credit: Riegele BierManufaktur

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Seit Jahren steht die Riegele BierManufaktur für handgemachte Bierspezialitäten. Auch 2019 haben sich die kreativen Köpfe um 12-Sterne Braumeister Frank Müller und Biersommelier-Weltmeister Sebastian Priller-Riegele an die Königsklasse der Braukunst gewagt: Die Holzfassreifung. „Magnus 19 – Edition Rubin“ ist das 5. Jahrgangsbier aus der Augsburger Bierschmiede und besticht mit Aromen von Zartbitterschokolade und Süßkirsche – ein tiefschwarzer Jahrgang für echte Genussmomente.

Credit: Riegele BierManufaktur

Magnus 19 wurde in reiner Handarbeit in der Riegele BierManufaktur gebraut und in edlen Kirschbrand-Fässern ausgebaut. Diese besondere Lagerung bringt eine ruhige Perlage und weinige Holznuancen mit sich. Kräftig geröstete Malze sorgen für eine tiefdunkle Farbe und ein dominierendes Aroma von Bitterschokolade, abgerundet durch feine Kaffee- sowie Barrique-Noten und perfekt ergänzt durch die Veredelung mit süßer Rubin-Kirsche. Die 11Prozent Alkohol des Magnus 19 entfalten ihr volles Aroma am besten bei einer Genusstemperatur von 18 Grad. „Die perfekte Begleitung zu edlem Blauschimmelkäse“ schwärmt Sebastian Priller-Riegele.

Magnus 19 ist auf 1000 Flaschen limitiert und ab Mitte November bei ausgewählten Spezialitätenhändlern sowie Craft-Bier- und Online-Stores – sowie im Riegele BierLaden direkt in der Brauerei.

Munich Brew Mafia: Wärmflasche für Kapitäne 

Vorsicht, die Brew Mafia schießt wieder scharf: Gerade erst legten die Münchner ihr neues Imperial Stout namens „El Capitano“ vor, das zur Vollendung im Jamaica Rumfass schlummerte. Das nachtschwarze Hammerbier legt ordentliche zwölf Prozent vor und ist mit dem französischen Hopfen Barbe Rouge gebraut.

In die Nase strömen sofort Aromen vom Holzfass, die sich mit Zartbitter-, Rum- sowie Kirschnoten und einem sahnigen Touch vereinen. Auf der Zunge zeigt sich erst eine leichte Alkoholschärfe, bis sich Anklänge von Holz, dunkler Schokolade und Filterkaffee bemerkbar machen. Schließlich lässt sich noch ein Hauch Zitrus vom eingesetzten Hopfen wahrnehmen. Das Mundgefühl präsentiert sich cremig-weich. Im Finish verabschiedet sich das kräftige Stout knochentrocken mit röstig-malzigem Charakter.

Fazit: Dieses Bier ist definitiv eine flüssige Wärmflasche. Wer es stark mag, bekommt mit „El Capitano“ eine komplexe, runde und nicht zu überladene Spezialität. Aber: Unbedingt etwas wärmer trinken, damit sich das ganze Aromaspiel ausbreiten kann. Guter Schuss, liebe Brew Mafia.

Munich Brew Mafia: Wärmflasche für Kapitäne

Hanscraft & Co.: Nachtschwarzes Hammerstout als Cuvée

20181207_142226Christian Hans Müller überraschte schon in den vergangenen Wintern mit ein paar richtig guten fassgereifte Spezialitäten. Gerade legte der Hanscraft-Chef aus Aschaffenburg wieder was ganz Besonderes vor: Ein 10,5-prozentiges Imperial Stout namens „Vintage 2018“. Dafür lagerte das Jahrgangsbier mehrere Monate in Whiskey- und Weinbrandfässern, bis es zu einer Cuvée verschnitten wurde.

Schon fast ölig gleitet das Hammerstout nachtschwarz ins Glas. Ein mokkafarbener, cremiger Schaum bedeckt die Oberfläche. Das Bier duftet leicht röstig, nach Zartbitterschokolade und etwas holzig mit Anklängen von Whiskey und Weinbrand. Auf der Zunge breitet sich die dunkle Schönheit samtig-weich mit einer moderaten Kohlensäure aus. Aromen von Röstmalz, Holz, Zartbitterschokolade, Dörrobst und Whiskey präsentieren sich angenehm. Im Finish zeigt sich noch eine zarte Karamellnote, bis sich das Stout knochentrocken verabschiedet.

Fazit: Ein wirklich gelungenes fassgereiftes Bier. Die Aromen des Stouts und die Noten der Fässer mit den jeweiligen Vorbelegungen sind harmonisch eingebunden und machen das „Vintage 2018“ zu einem runden Gesamtbild. Ich werde mir auf jeden Fall noch ein paar Flaschen besorgen und diese im Keller ein paar Jahre reifen lassen.

Ratsherrn: Die Rache des Captain Ahab

Ratsherrn Ahabs RevengeFassgereifte Biere scheinen in diesem Jahr so beliebt zu sein, wie noch nie zuvor. Gerade erst stellte auch die Ratsherrn Brauerei aus Hamburg eine solche Spezialität in die Regale. Dabei geht es aber nicht um ein Imperial Stout, sondern um ein in Barrique-Gebinden spontanvergorenes „Sour Barrel Aged Belgian White Ale“. Das Hanseaten-Team ließ für diese Version ihr „Moby Wit“ fast drei Jahre in Madeira- und Bordeaux-Fässern schlummern.

Das Ergebnis heißt „Ahab’s Revenge“, besitzt 5,8 Prozent Alkohol und schwimmt in einem trüben Goldorange-Ton im Glas. In diese Nasen strömt ein frischer Duft von Joghurt und Vanille mit einem ergänzend hefigem, holzigem sowie fruchtigem Charakter. Auf der Zunge präsentiert sich das fassgereifte Bier cremig-weich mit einer moderaten Säure und einem weinigen Anklang. Dazu gesellen sich mostige Fruchtnoten, die an Birne erinnern, sowie Aromen von Joghurt und Vanille. Im Finish bleibt eine gewisse Würzigkeit noch lange am Gaumen zurück.

Fazit: Dieses Bier ist wirklich eine Verkostung wert. So eine fassgereifte Variation habe ich bisher selten im Glas gehabt und muss sagen: ich bin begeistert. Das Aromaspiel ist komplex, aber schön harmonisch und keinesfalls zu sauer. Bietet sich auch als schmackhafter und frischer Aperitif an.

Fassgereiftes am Hafen von Portree

Nach einem aufregenden Tag auf der Isle of Sky im Westen Schottlands, war die Hafenstadt Portree unser Ziel für den Abend. In einem kleinen Restaurant aßen wir Fisch mit Pommes, dazu ein Guinness. Die Bierkarte war leider sehr enttäuschend. Um den Abend aber doch noch gemütlich ausklingen zu lassen, entschieden wir uns für ein Innis & Gunn Oak Aged mit über sechs Prozent Alkoholgehalt auf einer Treppe die ins Meer führt.

Foto: Elena Hasenbeck
Foto: Elena Hasenbeck

Während wir beobachteten wie ein Fischkutter am Hafen anlegte und die Möwen kreischend durch die Luft flogen, leuchtete das fassgereifte Oaked Aged kupferfarben durch die weiße Flasche. Es roch nach Karamell, Malz und Vanille. So wie in der Nase, so auch im Mund: allerdings kamen noch Röstaromen hinzu. Ganz klar dominierten die Vanillenoten. Im Abgang ließ sich etwas holziges vermuten.

Das Oak Aged von Innis & Gunn taucht in allen möglichen Bierführern auf und wird durch seinen Fassausbau als Spezialität gepriesen. Für mich war es definitiv eine Erfahrung, geschmacklich hat es mich aber nicht überzeugt. Daran konnte auch die Atmosphäre in einem der schönsten schottischen Hafenstädtchen nichts ändern.

Foto: Elena Hasenbeck
Foto: Elena Hasenbeck