Firestone Walker: Ganz großes Kino mit amerikanischem Jahrgangsbier

Es war mal wieder Zeit für eine Inventur in meinem Bierkühlschrank. Alles raus, geordnet, eingelagert und anschließend auch eine ganz besondere Spezialität genossen. In den hinteren Rängen fand ich das „22. Anniversary Ale“ von Firestone Walker von 2018. Jedes Jahr präsentieren die Kalifornier ein besonderes Jahrgangsbier, wofür sie ein paar Winzer einladen, die sie beim Blending unterstützen.

Diese Vintage-Cuvée besteht aus mehreren verschiedenen, fassgereiften Ales. Darunter etwa zwei Barley Wines, die in Rum- und Gin-Fässern schlummerten, ein Central Coastal Quad sowie ein Imperial Stout und ein Imperial Brown Ale aus Bourbon-Fässern – die Reifezeit bei den jeweiligen Barrels ist ebenso unterschiedlich wie die ausgewählten Sorten.

Aber jetzt zum Bier: In einem attraktiven, rotbraunen Farbton fließt das 12,7-prozentige Cuvée ins Glas. Ein nussbrauner, feinporiger und stabiler Schaum liegt oben auf. In die Nase strömen Noten von Dörrobst wie Bergpflaume und Rosine. Hinzu kommen Aromen von Nougat, Holz, Vanille, Zuckerrüben und Umami. Auf der Zunge breitet sich das Starkbier cremig-weich und süßlich aus, bis sich schmeichelnde Töne von Waldhonig, Schokolade, Holz, Rum-Topf, dunklen Beerenfrüchten, Karamell und Toffee entfalten. Im Finish bleiben die Aromen noch lange, lange zurück.

Fazit: Wow, einfach nur wow. Dieser Sud ist ganz großes Kino, unfassbar rund und harmonisch. Ich habe in meinem mittlerweile mehr als zehnjährigen Craftbier-Leben wohl inzwischen ein paar tausend Biere degustiert, aber dieser Trunk von Firestone Walker gehört ganz sicher zu den besten in diesem Jahr. Das Aromaspiel zeigt sich total komplex, sodass sich bei jedem Riechen und Schmecken eine weitere Note entpuppt. Selbst der kräftige Alkoholgehalt ist so gut eingebunden, dass man ihn erst gar nicht bemerkt. Ein wirklich faszinierendes Bier, das ich gern mit meinen Liebsten geteilt habe. Im Kühlschrank wartet jetzt noch die Version aus 2019, die ich aber erst im Winter aufmache.

Einbecker Spezialböcke mit hohem Genusspotential

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Bockbier zählt hierzulande nicht nur zu den traditionellsten Bierstilen, sondern inzwischen auch zu den beliebtesten. Allerdings wird dieser Sud international ganz unterschiedlich interpretiert: Egal ob hell, dunkel oder bernsteinfarben, mit verschiedenen Aromahopfensorten, fassgereift oder mit ganz unterschiedlichen Alkoholprozenten, die manchmal auch jenseits von zwölf Prozent liegen. Doch auch wenn sich das Spielfeld der Bockbiere infolge ihrer Beliebtheit enorm ausgeweitet hat, besteht bei vielen Bier-Genießern immer noch der Irrglaube, dass die Bayern diesen Bierstil erfunden hätten. Das ist falsch: Die Geburtsstätte des Bockbiers liegt im niedersächsischen Einbeck.

Mit 742 amtlich registrierten Brauherren war die alte Hansestadt einst Deutschlands Biermetropole schlechthin. Hier wurde schon im 11. Jahrhundert mit feinen Gerstensäften gehandelt, die damals allerdings noch „Ainpöckisch Bier“ hießen und als langhaltbares Lebensmittel galten. Die älteste noch vorhandene Rechnung für „zwei Tonnen Einbecker Bier“ ist auf den 28. April 1378 datiert. Dieses Jahr gilt auch als Gründungsdatum des Einbecker Brauhauses, in dessen heiligen Hallen das Bockbier erfunden wurde. Damals war das norddeutsche Bier vor allem bei bayerischen Fürsten und Herzögen besonders beliebt. Angeblich bestellte der bayerische Hof den edlen Gerstensaft schon im Jahre 1550. Der Import per „Biertreck“ wurde aber irgendwann zu teuer, so dass die Bayern einfach einen Braumeister aus Einbeck abwarben, der den Trunk in München „nach ainpöckischer Brauart”, so die damalige Bezeichnung, produzierte. Aus dem bayerischen Dialekt soll sich mit der Zeit der Begriff „Bock“ entwickelt haben.

Das Original stammt aber immer noch aus Einbeck. Mit den Jahren entwickelte sich die Brauerei weiter und legt neben den klassischen Böcken auch saisonale Spezialitäten vor. Aktuell gibt es neue Besonderheiten: Gerade erst kam wieder der 7,5-prozentige Doppelbock namens „Winter-Bock“ in Ur-Form auf den Markt und davon gleich eine gereifte sowie eine fassgelagerte Version. Die Ursprungsform des Saison-Bocks präsentiert sich in einem strahlenden und klaren Bernsteinton. Ein cremefarbener, fein- bis mittelporiger und fast schon sahniger Schaum liegt oben auf. In die Nase strömen verführerische Noten von Karamell, Dörrpflaume, Toffee, Waldhonig und ein Anklang von gebrannten Mandeln. Auf der Zunge zeigt sich der „Winter-Bock“ vollmundig mit einer harmonisch eingebunden Kohlensäure. Der Geschmack kennzeichnet sich durch ein Aromaspiel aus Karamell, Dörrfrüchten und gebrannten Mandeln neben einer sanften Röstigkeit sowie einem angenehm herben, trockenen und malzaromatischem Finish.

Etwas anders in der Aromatik und im Erscheinungsbild zeigt sich die Winter-Bock-Version vom Jahrgang 2021, wovon eine limitiere Menge zur nachträglichen Veredelung noch mehrere Monate im Tennessee-Whiskeyfass schlummerte. Der Whiskey-Winter-Bock leuchtet appetitlich kupferfarben, getoppt von einem cremefarbenen, feinporigen Schaum. Im Duft dringen hier typische Whiskey-Fassnoten von Kokosnuss, sanfter Vanille sowie etwas Holziges durch. Hinzu gesellen sich malzige und florale Töne. Das Mundgefühl gestaltet sich cremig-weich mit einer zarten Karbonisierung. Auch im Geschmack sind deutlich Holz- und Kokos-Aromen zu finden, die sich mit Noten von Karamell und einer leichten Säure vereinen, die entfernt an Balsamico erinnert. Auch bei der fassgereiften Version verabschiedet sich das Bier angenehm trocken, aromatisch und mit einer gewissen Herbe.

Als echtes Highlight aus dem Hause Einbecker gilt der „Aged Bock“ aus dem Jahrgang 2015. Heißt: Einen Teil der Charge des „normalen“ Winter-Bocks reifte das Brau-Team für mehr als sechs Jahre im dunklen, mittelalterlichen Gewölbekellers des historischen Rathauses am Marktplatz – bei konstant kühler Temperatur. So zeigt sich der flaschengereifte Jahrgangsbock in einem attraktiven, opalenen Mahagoni-Ton im Glas, ein mittelporiger, stabiler Schaum thront obendrauf. In die Nase strömen angenehme Alterungsnoten von Holz, Mandel, Amarena-Kirsche und einem Anklang von süßlichem Sherry. Auf der Zunge breitet sich eine sanfte Kohlensäure aus, bis schmeichelnde Aromen von Holz, Malz, Waldhonig und Amarena-Kirsche durchdringen. Im Finish bleibt ein angenehmer Touch von Brotkruste mit einer harmonischen Herbe noch lange zurück.

Mit der jahrelang gereiften und der fassgelagerten Version des Winter-Bocks beweist das Brau-Team des Einbecker Brauhauses, dass es zugleich ihre Tradition bewahrt, aber mit ganz besonderen Spezialitäten dennoch offen ist für neue Wege. Ich bin wirklich gespannt, mit welchen Genussüberraschungen in den nächsten Jahren noch zu rechnen ist.

Schneider Weisse: Kellergereifte Cuvée aus dem Holzfass

Dass es sich wirklich lohnen kann, ein Bier mal ein paar Jahre im Keller reifen zu lassen, beweist das „Cuvée Barrique Tap X 2017“ von Schneider Weisse aus dem niederbayerischen Kelheim. Braumeister Peter Drexler verschnitt diesen Weizendoppelbock einst mit „Mein Aventinus“ und „Aventinus Eisbock“. Der Mixed-Sud reifte daraufhin zur perfekten Vollendung mehrere Monate in Eichenfässern.

Nach nun knapp vier Jahren zusätzlicher Lagerung im hauseigenen Bierkeller präsentiert sich das „Cuvée Barrique“ in einem rotbraunen Gewand und mit einem cremefarbenen, feinporigen sowie instabilen Schaum. Es duftet noch immer nach dem Fass. Ergebnis:  Noten von Vanille und Holz – und im Hintergrund strömt noch etwas Kokosnuss in die Nase. Dazu gesellen sich fruchtige Aromen von überreifer Banane, Rosinen und Dörrpflaume sowie ein gewisser Touch von Karamell, Schokolade, Leder und Lagerfeuer. Im Antrunk zeigt sich der gereifte Weizendoppelbock angenehm säuerlich-aromatisch mit einer feinen Rezenz. Der Körper präsentiert sich vollmundig. Die Säure ist harmonisch eingebunden, während sich eine sanfte Süße im Hintergrund bewegt. Im Geschmack spiegelt sich das Aromaspiel des Buketts. Das Finish gestaltet sich trocken und ein säuerlicher Eindruck bleibt noch lange zurück.

Fazit: Ich habe das Bier schon 2017 probiert, als es frisch auf den Markt kam. Schon damals war es ein hoher Genuss, aber Jahre zusätzliche Reifung haben mit den damit verbundenen Alterungsnoten aus dem Sud eine ganz besondere Aromawucht gemacht. Ich bin begeistert und freue mich auf noch weitere Biere, die in meinem Keller zur Reifung schlummern.

Brewdog Overworks: Vielfältige Aromawumme

Nach dem Grillen darf es gern auch mal ein Bier mit richtig Wumms sein. Neulich hatte ich als Digestif das „Brettanarchist Overlord No. 2“ von Brewdog Overworks. Dabei handelt es sich um ein Triple IPA, das mit Citra kaltgehopft und mit 100 Prozent Brettanomyces-Hefe vergoren wurde. Zudem lag der Sud noch ein Jahr in einem Rotweinfass. Ich muss gestehen, das zwölfprozentige Bier hat meine Erwartungen absolut übertroffen.

In einem orangegelben Farbton fließt das IPA ins Glas, ein beigefarbener Schaum liegt oben auf. Das Bukett betört vielfältig. Ein Duft aus getrockneten Aprikosen, Dörrpflaume, Waldhonig und Toffee macht Lust auf den ersten Schluck. Auf die Zunge legt sich vorerst eine gewisse Honigsüße, die sich mit getrockneten Aprikosen und Limonen paart. Das Mundgefühl ist angenehm vollmundig. Zarte Holztöne und eine leichte Würzigkeit ergänzen das Geschmacksbild. Im Finish zeigt sich eine dezente Bitterkeit und der wärmende Alkohol mit ordentlicher Power.

Fazit: Was für eine Aromawumme! „Brettanarchist Overlord No. 2“ ist der perfekte Absacker mit einem spannenden Geschmacksprofil. Die schottischen Brauhunde zeigen mit diesem Trunk mal wieder, dass sie nach wie vor zur Elite der europäischen Craft-Brauereien gehören. Absolute Probierempfehlung.

Omnipollo: Imperial Stout für echte Geeks

Die Macher der schwedischen Marke Omnipollo sind bekannt für ungewöhnliche und zum Teil auch extreme Sude, mit denen sie immer wieder polarisieren. Kürzlich probierte ich ihr Barrel Aged Imperial Stout „Aon Rum Mini Maple Cinammon Bites“ mit elf Prozent Alkohol und zusätzlichen Zutaten wie Rumrosinen, Vanille, Zimt, Ahornsirup und Pekannussaroma.

Optisch zeigt sich das im Rumfass gereifte Stout in einem tiefen Schwarz, getoppt von einem kakaobraunen Schaum. In die Nase strömen süßliche Aromen von Tonkabohne, Ahornsirup, Schokolade, Kakao, Karamell und eingelegten Rumrosinen. Im Antrunk zeigt sich das Bier ölig mit einer leichten Säure, bis es sich dann zu einer süßen Bombe mit Noten von Ahornsirup, Zimt und Vanille entwickelt. Dazu gesellen sich Anklänge von Rum-Pflaume, Pekannuss und Sauerkirsche. Im Finish bleiben die Aromen noch lange zurück.

Fazit: Ein Bier für echte Craft-Geeks, bei dem sich aber wohl die Geschmacksgeister scheiden. Für mich hat dieser Trunk ein wirklich interessantes Aromaspiel, das man unbedingt mal probieren sollte. Aber bei 11 Alkoholprozenten reicht ein Glas davon auch vollkommen aus.

Craft-Bier des Monats: Kräftiges Bombardement von der Brouwerij de Molen

Die niederländische Brouwerij de Molen zählte zu den besten Braustätten der Welt. Erst 2004 wurde sie im kleinen Provinzstädtchen Bodegrave gegründet, nur wenige Kilometer von Amsterdam entfernt. Einen Namen machte sich de Molen vor allem durch hammerharte, alkoholreiche Biere. In meinem Bierkeller fand ich neulich das einige Jahre gelagerte „Bommen & Granaten“ mit kräftigen 15,2 Umdrehungen. Wow, wirklich etwas für wahre Craft-Kenner!

Bevor dieser Barley Wine am 28. Januar 2013 in Flaschen gefüllt wurde, schlummerte er zur Vollendung noch einige Zeit in Bordeaux-Fässern. Das gibt dem Trunk einen dezent weinigen Charakter. Aber wie Schweröl fließt das Bier dann in einem sanften Braunton mit attraktivem Rotstich ins Glas. Schaum besitzt es bei dieser Struktur natürlich keinen. Dafür duftet „Bommen & Granaten“ verführerisch nach Karamell, Rosinen, Dörrpflaume und getrockneten Aprikosen. Auf der Zunge entfacht der Barley Wine wirklich aromatische Bomben und Granaten, wie der Name bereits in Übersetzung verrät. Schwer fließt das Bier schließlich über die Lippen, bis es sich süß-sauer mit Aromen von Waldhonig sowie getrockneter Pflaume, Beeren und Aprikose entfaltet. Eine zart röstige Note und ein langes, sanft herbes Finish komplementieren das Gesamtbild eines wahrhaft ungewöhnlichen Bieres.

Fazit: Fantastisch, dieser Barley Wine ist eine echte Geschmacksbombe mit großem Nachhall. Die vielschichtigen Aromen regen immer wieder zum nächsten Nippen an. Ich kann mir das Bier als kräftigen Begleiter zu einem Rinderbraten und zu würzigem sowie gereiften Käse vorstellen oder einfach als köstlichen Digestif. Bei diesen Aromen müssen sich selbst große Rotweine anstrengen.

Partnerprogramm: Riegele BierManufaktur bringt neue fassgereifte Spezialität heraus

Credit: Riegele BierManufaktur

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Seit Jahren steht die Riegele BierManufaktur für handgemachte Bierspezialitäten. Auch 2019 haben sich die kreativen Köpfe um 12-Sterne Braumeister Frank Müller und Biersommelier-Weltmeister Sebastian Priller-Riegele an die Königsklasse der Braukunst gewagt: Die Holzfassreifung. „Magnus 19 – Edition Rubin“ ist das 5. Jahrgangsbier aus der Augsburger Bierschmiede und besticht mit Aromen von Zartbitterschokolade und Süßkirsche – ein tiefschwarzer Jahrgang für echte Genussmomente.

Credit: Riegele BierManufaktur

Magnus 19 wurde in reiner Handarbeit in der Riegele BierManufaktur gebraut und in edlen Kirschbrand-Fässern ausgebaut. Diese besondere Lagerung bringt eine ruhige Perlage und weinige Holznuancen mit sich. Kräftig geröstete Malze sorgen für eine tiefdunkle Farbe und ein dominierendes Aroma von Bitterschokolade, abgerundet durch feine Kaffee- sowie Barrique-Noten und perfekt ergänzt durch die Veredelung mit süßer Rubin-Kirsche. Die 11Prozent Alkohol des Magnus 19 entfalten ihr volles Aroma am besten bei einer Genusstemperatur von 18 Grad. „Die perfekte Begleitung zu edlem Blauschimmelkäse“ schwärmt Sebastian Priller-Riegele.

Magnus 19 ist auf 1000 Flaschen limitiert und ab Mitte November bei ausgewählten Spezialitätenhändlern sowie Craft-Bier- und Online-Stores – sowie im Riegele BierLaden direkt in der Brauerei.

Partnerprogramm: Herbstzeit ist Barley Wine-Zeit

Credit: Braufactum

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Die Historie des Barley Wines geht zurück ins 18. Jahrhundert. Wegen turbulenten Zeiten in England und Konflikten mit weinproduzierenden Ländern, war eine Versorgung nicht immer gewährleistet und die Weinvorräte rar. So musste vor allem für die Adelshäuser eine Alternative zum beliebten Rebensaft her. Es entstand ein komplexes Strong Ale mit hohem Alkoholgehalt, hoher Stammwürze und eher geringer Kohlensäure. Durch obergärige Hefen bekommt der Barley Wine seinen fruchtig-weinigen Geschmack. Farblich schwankt er traditionell zwischen einem Bronze- und Mahagoni-Ton. Inzwischen unterscheidet man zwischen einer englischen und einer amerikanischen Variante. Dabei weist der englische Barley Wine eine Balance zwischen Hopfen und Malz auf, während sich der US-Vertreter eher durch Bittere und Hopfenaroma charakterisiert.

Gezeichnet von Christina Schönberger

Ein Musterbeispiel für eine moderne Interpretation eines klassischen Barley Wines ist „Arrique“ von Braufactum aus Frankfurt. Nach der Gärung reift das 13,5-prozentige Ale drei Monate im Barriquefass aus amerikanischer Eiche. Schon früher lagerten Brauer das Bier gern in Fässern, die sie häufig über den Brauerei-Hof rollten, um die Hefe zu neuer Tätigkeit zu animieren. Und genau das beschreibt auch die neue Etikettengestaltung des Braufactum-Ales. Das Etiketten-Gemälde zeichnete Christina Schönberger von Barth-Haas.

Aber nicht nur die Flaschenoptik wirkt attraktiv. Das Bier präsentiert sich in einem ansprechenden Karamellton mit geringer Schaumbildung im Glas. Auch im Bukett zeigt sich eine Karamellnote, die sich mit getrockneten Pflaumen vereint. Im Geschmack dringt ein Aroma von Getreide und Trockenfrüchte durch. Eine zarte Bitterkeit gleicht die dezente Süße aus. Die seidige Textur rundet den Barley Wine ab. Eine ideale Versuchung jetzt für die Herbsttage.

„Arrique“ mit neuer Ausstattung ist nun im Online-Shop bei Braufactum verfügbar.

Brauer als Brandmeister

Bier-Brand, Hopfen-Gin oder Doppelbock-Elixiere: Immer mehr Brauer steigen mit ungewöhnlichen Destillaten ins Spirituosen-Business ein und schaffen sich mit ihren klassischen Rohstoffen ein zweites Standbein.

Credit: Steven P. Carnarius

Wann genau die ersten Braumeister aus ihren Suden hochprozentige Brände destillierten, weiß bis heute eigentlich niemand so recht. Aber wahrscheinlich waren es wieder mal schlaue Mönche, die früher schließlich alles aus dem Garten Gottes in Alkoholika verwandelten. Erst viel später haben findige Brauer ihre misslungenen Gerstensäfte retten wollen und zu Schnaps verarbeitet. Das Ergebnis dieser Resteverwertung waren meist hochprozentige Rachenputzer, die so manchen Konsumenten in die Knie zwangen.

Was heute aus den Alchimistenküchen der Craft- und Spezialitätenbrauer in die Regale kommt, hat mit diesem Ursprungsgesöff nicht mehr viel zu tun. Wenn Nachwuchsbrenner der Kreativbierszene heute ihr Portfolio mit Genussbränden erweitern, dann setzen sie auf höchste Produktqualität und verwenden dabei meist Rohstoffe aus eigener Produktion. Die Vielfalt der Destillate reicht dabei vom fruchtigem IPA-Brand über hopfengestopften Gin, vom Brandy mit Brettanomyces-Hefe bis zum Whisky aus dem Stout-Fass. Um ihre Genusspalette zu komplettieren, entwickeln immer mehr Brauer gemeinsam mit Profibrennern ihre bierspezifischen Destillate oder investieren gleich in eigenes Brenn-Equipment. Dass die Qualität solcher Elixiere seit Jahren immer besser wird, bestätigt auch der Bamberger Bier- und Edelbrandsommelier Markus Raupach: „Vor allem Bierbrände kommen allmählich aus dem einstigen Schmuddel-Image raus und zeigen ganz neue Genusswelten auf.“ Für Raupach hat der neuerliche Qualitätsschub einen einfachen Grund. Seitdem 2018 das alte Branntweinmonopol in Deutschland gefallen ist, werden Brenner nicht mehr staatlich subventioniert, sondern müssen ihre Produkte selbst an den Konsumenten bringen. Seitdem würden der Qualitätsanspruch und die Lust am Experimentieren deutlich steigen.

Dieses Stadium haben amerikanische Brauer längst hinter sich und überraschen seit Jahren beim Laborieren mit Hochprozentigem durch immer neue Variationen. Eine der ersten US-Brauereien, die sich an die Brennblasen wagte, war die Anchor Brewing Company in San Francisco, dessen Macher vor rund 26 Jahren eine Kleinbrennerei unter dem Firmennamen Anchor Distilling eröffneten. Direkt neben der Braustätte begann ein professionelles Team damals die Produktion eines Single Malt Whisky namens „Old Potrero“, den die Brandmeister aus 100 Prozent Roggen in echten Pot Stills destillierten. Inzwischen gibt es den kalifornischen Whisky mit edler Aufmachung in zahlreichen Ausführungen.

Dass Brauer auch Whisky produzieren, ist nicht abwegig. Schließlich ist die Bierherstellung eine Vorstufe der Malt-Whisky-Produktion, denn bis auf die Destillation sind viele Arbeitsgänge gleich. Besondere Interpretationen dieses Brandes legt Dogfish Head Brewing aus Milton vor. Diese basieren meist auf einem speziell eingebrauten, besonders kräftigen Spezialsud. Derzeit führt Dogfish neben einem in Rumfässern gelagerten Malt Whisky, rund ein Dutzend weiterer Brände im Portfolio: Erdnuss-Wodka, Apfel-Brandy oder einen mit Cascade-Hopfen gebrannten Gin. Der Wodka stützt sich auf vorhandenes Braumalz, der Brandy wurde mit Brettanomyces-Hefe vergoren. „Wir nutzen jeden kreativen Ansatz, um neue und ungewöhnliche Ideen bis an die äußerste Grenze zu treiben“, sagt Dogfish Head-Chef Sam Calagione.

Inzwischen entdecken aber auch vermehrt deutsche Brauer die Liebe zur eigenen Spirituose und sammeln damit erste Auszeichnungen ein. Zahlreiche Ehrungen konnte beispielsweise der Elch Bräu in der fränkischen Schweiz verbuchen. Mit seiner 1.000-Liter-Brennblase experimentiert Brauerei- und Brennerei-Chef Georg Kugler an ganz individuellen Destillaten. In uralten Felsenkellern lässt der fränkische Bier- und Edelbrandsommelier neben Williams-, Quitten- und Kirsch-Spirituosen auch feinste Brände aus Torfmalz und Bockbier schlummern. Kuglers Ziel ist es, sich künftig noch mehr mit Whisky zu beschäftigen.

Da hat die badische Staatsbrauerei Rothaus aus dem Schwarzwald dem Franken schon etwas voraus. Braumeister Max Sachs entwickelte schon vor knapp 15 Jahren die Idee, einen „Black Forest Single Malt Whisky“ mit regionalem Touch herzustellen. Da die Braustätte aber kein Brennrecht besaß, taten sich die Badenser mit der Destille Kammer-Kirsch aus Karlsruhe zusammen. Mit klarem Schwarzwaldwasser und heimischem Braumalz maischt Sachs ein, lässt die hochkonzentrierte Würze vergären und überführt das Produkt anschließend zur Brennerei, wo es destilliert wird und zur Vollendung mindestens drei Jahre in Ex-Bourbon-Fässern reift.

Stephan Michel von Mahrs Bräu. Credit: Steven P. Carnarius

Auch Stephan Michel, Chef vom Mahrs Bräu in Bamberg, setzt auf Single Malt Whisky. Der ehrgeizige Franke investierte gleich in eine vollautomatische, hauseigene Brennerei, in der die Sprit-Crew jetzt den Mahrs-Whisky vierfach brennt, drei Jahre in französische Barriques packt und anschließend in Rum-, Cognac- oder Sherry-Fässern veredelt. „Unser Whisky ist nichts für normale Single Malt-Freaks“, urteilt Mahrs-Chef Michel, „er besticht eher durch ein mildes Vanillearoma und ist auch an weibliche Zielgruppen gerichtet.“ Für seine bereits seit längerem produzierten Bier-Destillate plant der Bamberger künftig ein eigenes Label.

Credit: Schlenkerla

Aber was genau ist eigentlich ein Bierbrand? Die Spirituose, darf nur dann so bezeichnet werden, wenn sie durch die Destillation von frischem Bier entsteht und geschmackliche Merkmale vom Grundprodukt vorlegt. Stiltypisch dafür sind etwa die Brände der Rauchbierbrauerei Schlenkerla in Bamberg, die nach der Destillation ihren unverkennbaren Rauchgeschmack vorweisen. Seit kurzem gibt es den Trunk auch in einer weiteren Variante: das Destillat lagert auf Rauchmalz und bekommt dadurch eine ähnliche Farbe und ein ähnliches Aroma wie ein schottischer Whisky. Laut Schlenkerla-Chef Matthias Trum ist dieses Verfahren einzigartig bei der Herstellung von Bierbränden, sodass er es bereits patentieren ließ. Für ihn ist klar: „Durch solche Brände wird die Kulinarik des Bieres deutlich erweitert.“

Bei den Spielmöglichkeiten mit Hopfen und Malz sind der Experimentierfreude bei Bierbränden kaum Grenzen gesetzt. So lassen etwa die Macher vom Stiegl-Gut Wildshut in Österreich ihren „Urbierbrand“ in speziellen georgischen Amphoren reifen, während ein Kreativ-Brauer wie Christian Hans Müller von Hanscraft aus Aschaffenburg sein 40-prozentiges Bierdestillat „Saison Julie“ im Spessart-Eichenfass für ein zart-cremiges Aroma und ein kernig-malziges Finish schlummern lässt. Auch das Craft-Label „Von Freude“ aus Hamburg rühmt sich mit einem Bierbrand namens „Glasklar“. Die Chefs beschreiben das Produkt als Essenz ihres Bieres „Ale Primeur“, das einen hopfig-malzigen Duft von reifen Steinfrüchten und Karamell besitzt.

Und die Munich Brew Mafia setzt bei der Produktion ihres „Manolo Pistolo“ auf ein stark gehopftes Pale Ale als Grundbier für den Brand. Braumeister Dario Stieren wertet sein hochprozentiges Produkt als genussvolle Ergänzung zum Bier-Portfolio und hält es nicht für ausgeschlossen, dass von seinem Team noch mehr Hochprozentiges kommt: „Es gibt hochspannende Synergien zwischen Bier und Spirituose, so könnte unser Brand beispielsweise auch als Grundstoff für Liköre oder andere Geister dienen.“

Auch Craft-Tausendsassa David Hertl hat den Trend zu härteren Drinks schnell ertastet. In seiner Braumanufaktur im fränkischen Schlüsselfeld begann er unlängst mit einem IPA-Brand und produziert jetzt auch einen Hopfen-Gin. Als Basis dient ein Bierdestillat, das mit mazeriertem Zitronengras, Wacholder, Hopfen und Malz versehen wird und sechs Wochen reift. Anschließend stopft Hertl den Gin noch mit den Hopfensorten Sorachi Ace und Mandarina Bavaria – so bekommt die Wacholder-Spirituose ein süßliches Aroma von Kokos und Orange. Aktuell entwirft er dazu noch ein passendes Hop-Tonic-Water. Aber warum macht er das Alles? „An der Brennblase mit unseren Rohstoffen zu spielen, ist im Leben eines Brauers einfach einen Riesenspaß“, jubiliert der quirlige Jungbrauer.

Credit: Braumanufaktur Hertl

Erschienen im Meininger’s CRAFT Magazin für Bierkultur.

Ratsherrn: Bockige Tradition mit Kreativ-Touch

Gestern Abend läuteten acht Hamburger Brauer mit dem Anstich ihres Senatsbock wieder die fünfte Jahreszeit ein. Schon vor 50 Jahren pflegten Brauereien in der Hansestadt die Tradition, gemeinsam einen kräftigen Doppelbock einzubrauen – bis der Brauch irgendwann einschlief. Doch durch das Interesse an ungewöhnlichen Suden reanimieren 2015 namhafte Braustätten wie Ratsherrn, Blockbräu, Gröninger, Joh. Albrecht, Kehrwieder, Landgang, Überquell und Wildwuchs die alte Lust am Bock. Eines hat sich jedoch inzwischen verändert: Heute produziert zwar jeder Brauer das gleiche Grundrezept, dem Bier wird jedoch ein individueller Touch im Stil des jeweiligen Hauses geschenkt. Ich hatte die Version von Ratsherrn gestern auch im Glas.

Für den Senatsbock 2019 hat das Brau-Team aus den Schanzenhöfen den neuen Sud mit dem Trunk aus 2016 verschnitten, der 20 Monate im Brandy-Fass reifte und zusätzlich auf Eichenholzchips lagerte. Das klingt doch schon mal ziemlich vielversprechend. So fließt der 7,3-prozentige Bock in einem dunklen Kastanienbraun ins Glas, getoppt von einem cremigen und beigefarbenen Schaum. Im Duft präsentieren sich malzige Aromen vom typischen Doppelbock, die sich mit Anklängen von Schokolade, Sauerkirschen, Vanille und Holz sowie mit dezenten Röst-Noten vereinen. Samtig-weich rinnt das Bier auf die Zunge, wo sich auch malzige, rösttönige und schokoladige Feinheiten ausbreiten. Dazu paaren sich angenehme Klänge von Waldbeeren, Holz und Brandy. Das alles mündet in ein tolles Finish, das von einer sanften Herbe der eingesetzten Hopfensorten Hallertauer Mittelfrüh und Amarillo begleitet wird.

Fazit: Ein wirklich toller Doppelbock, in dem die Aromen sehr harmonisch abgestimmt sind. Es gibt bei diesem Edelstoff kaum eine Nuance, die überladend den Sud dominiert. Hoffentlich schaffe ich es im kommenden Jahr mal beim Anstich in Hamburg dabei zu sein… Danke Ratsherrn für die Kostprobe!