Deutschlands Top-Brauer: Simon Rossmann von Giesinger Bräu – „Außergewöhnliches Bier muss sensorisch umhauen“

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Simon Rossmann vom Giesinger Bräu und ich beim Zwickeln

Simon Rossmann hat schon einen besonderen Job. Er arbeitet als Produktionsleiter bei der ältesten Craft-Brauerei in München: dem Giesinger Bräu. Vor zwölf Jahren wurde die Marke in einer Garage aus der Taufe gehoben, heute gilt die Biermanufaktur mit Bräustüberl, Rampe und Stehausschank schon als Kultstätte. Hinter den Spezialitätenbieren wie Märzen, Pils, Weißbier und diversen Böcken sowie den Craft-Sorten wie Triple oder Altbier steht Simon. Seine Kreativität und Leidenschaft für das Produkt spürt man nicht nur auf der Zunge. Die Brauerei vergrößert sich und bald wird es auch einen Biertruck vom Giesinger geben.

 

Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Kreativität, Offenheit und tiefgründiges Fachwissen.

 

Was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Ein außergewöhnliches Bier muss für mich immer einen Überraschungseffekt haben. Es muss mich sensorisch umhauen.

 

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

Da gabs echt schon einige: Mit Austern, mit Pizza, mit Sauerkraut, mit Bretzeln, mit Gurke, technischen Enzymen…

 

Mit welchen ungewöhnlichen Zutaten würdest Du gern einmal brauen?

Hab schon so viele Biere mit anderen Zutaten außer Wasser, Malz, Hopfen und Hefe gebraut, da bin ich momentan eher entspannt was das angeht.

 

Was ist eigentlich Dein Lieblingsgericht und was trinkst Du dazu?

Das wechselt, aber zurzeit ist es der Süßkartoffel-Burger von meiner Frau. Dazu genieße ich ein schönes Märzen.

 

Wie siehst Du die Entwicklung der Craft-Bierszene in fünf Jahren?

Craft-Bier-Brauereien müssen sich klar werden, was sie eigentlich wollen, um auf dem Markt in Zukunft bestehen zu können. Ich denke die, die es wirklich ernst meinen, die sehen wir auch noch in 5 Jahren.

 

Und was hast Du als nächstes vor?

Technische Planungen zu unserem Neubau-Projekt fertigstellen.

Deutschlands Top-Brauer: Bryan France von Yankee & Kraut – Biere mit „Oida“-Effekt

Bryan_YankeeBryan France ist gebürtiger Amerikaner und genoss schon das ein oder andere Craft-Bier, bevor er nach Deutschland kam um Brauwesen an der TU München in Weihenstephan zu studieren. Nach dem Studium gründete er mit seinem Kumpel Max Senner die Marke „Yankee & Kraut“. Seit zwei Jahren überrascht das Kreativ-Duo aus Ingolstadt immer wieder mit neuen spannenden, richtig wilden aber auch gut trinkbaren Suden. Ihr Portfolio reicht vom fruchtig süffigen Pale Ale namens „Eden“, herb-aromatischen India Pale Lager namens „Hopulenz“ und der Fruchtbombe „Apotheose“ auch über Schankbier. Zudem gibt es ein Chili Double Black IPA und diverse Session Biere. Das Geheimnis von Braumeister Bryan: Er spart niemals an Rohstoffen, vor allem nicht an Hopfen. Und auch vor schrägen Zutaten wie Eukalyptus, Pfefferminze oder Kaffee schreckt er nicht zurück. Seine Leidenschaft zum Produkt spürt man schon auf der Zunge.

Bryan, welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Kurz gefasst: „Mad Scientist“ (verrückter Wissenschaftler). Heißt: Im Herzen brennt die Leidenschaft für Experimentierfreudigkeit. Grenzen werden ausgetestet, verschoben und neu justiert. Das gilt auch für die Wissenschaft, die hinter richtig guten Bieren steckt. Es geht aber nicht allein ums Experimentieren, sondern auch um das Verfeinern der Braukunst um den Leuten etwas Aufregendes für ihre Geschmacksnerven zu zaubern. Aus diesem Grund ist auch eine gute Portion Mut erforderlich. Auf den ersten Blick scheint vieles ein bisschen hirnrissig… aber Gott sei Dank sind die meisten Craft-Brauer ein bisschen bekloppt! Zu guter Letzt, und damit alles schön ausgewogen bleibt, braucht ein guter Brauer viel Erfahrung und Knowhow.

Was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Ein außergewöhnliches (und gutes) Bier braucht den sogenannten „Oida-Effekt“. Es muss herausfordernd und unerwartet in Geschmack und Aroma sein. Das ultimative Bier hat seine eigene Stimme und erregt Aufmerksamkeit. Nach jedem Schluck denkt man nur „Oida!“ und wenn es ausgetrunken ist, will man einfach nichts anderes, als noch eins aufmachen. Allerdings trinke ich nur selten ein Bier und denke „WOW, davon muss ich mehr haben!“.

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

Ich habe unendlich viele „schräge“ Biere probiert, aber das ungewöhnlichste ist wahrscheinlich „Room 101“ oder der Pumpkin-Sud den ich und ein Freund vor 15 Jahren gebraut haben. Mein Kumpel Kevin wollte unbedingt ein Bier anstatt Pumpkin Pie zu Thanksgiving haben. Das Ale hat tatsächlich wie Kürbiskuchen geschmeckt und hatte 6,5 Umdrehungen.

Mit welchen Zutaten würdest Du gern mal brauen?

Da ich jetzt in Bayern wohne, ist diese massiv Liste etwas angewachsen. Ich wollte eigentlich immer schon einen Roman schreiben…

Was ist eigentlich Dein Lieblingsgericht und was trinkst Du dazu?

Ich glaube, ich habe zu viele Lieblingsgerichte. Gerade in diesem Moment schickt mir Johannes Kugler von Brew Age aus Wien ein Foto von einem Käsekrainer. Dazu würde ich jetzt gerne sein New England IPA „Alphatier“ trinken oder unser „Hopulenz“.

Wie siehst Du die Entwicklung der Craft-Bierszene in fünf Jahren?

Die Craft-Bierszene wird in den nächsten fünf Jahren noch kräftig weiter wachsen. Allerdings gibt es auch immer mehr Konkurrenz. Letztlich werden nur Brauereien mit entsprechender Qualität und Kreativität überleben. Die anderen werden entweder aussterben oder sich auf „Mainstream-Biere“ konzentrieren müssen.

Und was hast Du als nächstes vor?

Als nächstes machen wir ein Laden in der Ingolstädter Innenstadt auf, mehr Infos dazu kommen schon sehr bald.

Deutschlands Top-Brauer: Michael Lembke von BRLO – „Bier muss Lust auf mehr machen“

WHO CARES for Beer OBDELANE 36Michael Lembke hat weltweit schon viele Brauereien gesehen. Aber bevor er Mitinhaber und Braumeister bei BRLO in Berlin wurde, studierte der heute 29-Jährige an der Versuchs- und Lehranstalt für Brauwesen in der Bundeshauptstadt und arbeitete dort anschließend als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Jetzt steht er an den Kesseln der aus Schiffscontainern gebauten Erfolgsbrauerei BRLO und zaubert neben German IPA und Berliner Weisse auch Porter sowie Helles und alkoholfreies Bier – alles in hoher Qualität und mit individuellen Aromaspielen. Michas Ideenreichtum und sein handwerkliches Können machen ihn für mich zu einem führenden Top-Brauer der Republik.

Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?   

Wissen, Erfahrung, Leidenschaft, Kreativität und Mut zu Neuem – vielleicht mit einer guten Mischung aus Handwerker, Forscher und Künstler mit Hang zur Perfektion und unverwechselbarem (und) gutem Bier. Man muss aber auch schon viel Lehrgeld gezahlt haben.

Was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Ein außergewöhnlich gutes Bier muss mich zuerst überraschen und dann überzeugen. Und es muss so vielseitig und interessant sein, dass es Lust auf mehr macht.

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?     

Schwierig zu sagen, aber vielleicht war es das Molkebier, dass wir neben dem Studium gebraut haben. Meine Kollegen und ich haben viele verschiedene Varianten mit unterschiedlichen Hefen (lactose-positiv und negativ) genutzt.

Mit welchen ungewöhnlichen Zutaten würdest Du gern einmal brauen?

Es gibt so viele spannende Kräuter, Gewürze, Früchte und Tees, mit den man brauen könnte, da kann ich mich gar nicht festlegen. Heute hatten wir Äpfel, Birnen und Pflaumen in der HopGun. Es wird ein Glühbier.

Was ist eigentlich Dein Lieblingsgericht und was trinkst Du dazu?

Sowie ich kein Lieblingsbier habe, habe ich auch kein Lieblingsgericht. Zuletzt hatte ich das „Kürbis & Pilze“-Gericht bei uns im Brwhouse. Super lecker! Die Herbstpilze mit süß-saurem Kürbis und Kürbispüree passen perfekt zu unserem Porter. Das Gericht ist sogar mit Röstmalz verfeinert, das auch im Porter ist.

Wie siehst Du die Entwicklung der Craft-Bierszene in fünf Jahren?

 Sie entwickelt sich gerade prächtig. Vor allem in Städten, wo schon eine Szene entstanden ist, zeigt sich Craft-Bier auf dem Vormarsch. Aber da ist noch viel Luft nach oben. Jeder in der Szene trägt dazu bei. Ich bin mir sicher, es werden noch viele neue Brauprojekte starten.

Und was hast Du als nächstes vor?        

Zusammen mit unserem Küchenchef Ben ein gemeinsames Bier brauen. Das Wissen aus der Küche wird uns dabei sehr hilfreich sein.