Hopfenstopfer Seasonal Special Ale: Echter Craft-Stoff aus Bad Rappenau

Hopfenstopfer Seasonal
Hopfenstopfer Seasonal

Manchmal lasse ich besondere Craft-Biere einfach ein paar Monate liegen, um zu sehen, wie sie sich in der Flasche entwickeln. Das habe ich auch mit dem Seasonal Special Ale von Thomas Wachno gemacht, das der Bad Rappenauer „Hopfenstopfer“ im vergangen Jahr als Winterbier gebraut hat. Die saisonale Spezialität für die kalte Zeit ist jedoch keineswegs vergleichbar mit den vielen austauschbaren Weihnachtsböcken, sondern ein ganz besonderes IPA.

Im Glas strahlt ein kräftiges Altgold, bedeckt von einer schneeweißen, aber etwas mittelmäßig ausgeprägten Schaumkrone. Dann aber zeigt der Hopfenstopfer seine Zauberkünste: In der Nase dominieren wunderbare Fruchtaromen von einem amerikanischen Hopfen-Cocktail aus Amarillo, Citra, Chinook und Cascade. Die ganze Bandbreite exotischer Obstsorten – von Blutorange über Mango und Grapefruit bis hin zu Granny Smith – schwebt über einer soliden Malzbasis.

Nach einem sehr, sehr soften, honigsüßen Antrunk folgt ein Hurricane an Geschmacksaromen. Ein hoher Anteil an Spezialmalzen, kombiniert mit Karamel- und hellem Pilsner Malz, katapultiert das Saisonbier auf 8,2 Prozent Alkohol und eine Stammwürze von 18,5 Prozent. Trotz dieser hohen Umdrehungen schmeckt das Bier in keiner Weise sprittig. Vielmehr gibt ein harmonisches Zusammenspiel der eingesetzten Malz- und Hopfensorten dem Bier einen ganz eigenständigen und besonderen Charakter. Die Fruchtaromen speisen sich aus nur 55 IBUs, münden aber in einen langen Abgang mit süßlichen Aromen von Aprikose, Honigmelone, Birnen- und Zitronensorbet.

Mein Fazit: Eindeutig eines der besten IPAs, das ich aus deutscher Produktion bislang getrunken habe. Für Afficionados von hopfenintensiven Starkbieren ist dieses Ale eine echte Offenbarung. Wer noch etwas von diesem Bier probieren will, muss jedoch schnell zuschlagen. Bei den meisten Händlern ist der Craft-Stoff von Thomas Wachno schon vergriffen.

Das Brauer-Portrait: Thomas Wachno, der Hopfenstopfer

Foto: privat
Foto: privat

Viele Brauereien werben mit regionalen Rohstoffen, auch wenn sie aus 300 Kilometer angeliefert werden müssen. Das ärgert Thomas Wachno. Bei ihm wächst der Hopfen direkt vor der Brauerei – Taurus und Saphir, mit insgesamt 14 Pflanzen. Ihm macht es einfach Spaß mit Hopfensorten zu experimentieren. Das grün-weiß gefließte Sudhaus seines Arbeitgebers, der Häffner-Brauerei in Bad Rappenau, schmücken drei prächtige Sudkessel. Auf einem Mauervorsprung hat er seine Biere aufgereiht, die er stolz als seine Trophäen bezeichnet.

In seiner Freizeit spielt der 36-jährige Familienvater seit zwanzig Jahren Gitarre in der Rockband eines Motorradclub der Umgebung. Der Boom für seine Hopfenstopfer-Biere begann erst in den letzten Monaten. Sein Hauptgeschäft aber macht er mit herkömmlichen Regionalbieren. Wachno ist überzeugt, dass sich der Craftbiermarkt jetzt erst richtig entwickelt. Er möchte mit seinen Spezialbieren keinesfalls einen Massenmarkt erschließen. Dazu Wachno: „Ich bleibe lieber ein Geheimtipp, als irgendwann mit meinen Bieren in den Supermärkten verramscht zu werden.“

6 Fragen an Thomas Wachno

1. Wann und wie tranken Sie ihr erstes Bier?

Gute Frage, ich weiß es nicht mehr. Kann mich aber noch gut daran erinnern, wie ich als Kind den Schaum bei Papa`s Bier probiert habe und der mir überhaupt nicht geschmeckt hat.

2. Wann und warum haben Sie sich für den Brauerberuf entschieden?

Zum Schulhalbjahr der 10ten Klasse in der Realschule, wusste ich noch nicht so recht, was ich denn gerne weiter machen wolle, mir fiel aber ein, das ich immer an der Brauerei vorbei gekommen bin, da habe ich angefragt ob sie ausbilden, mir die Sache angesehen und zugesagt.

3. Auf welches Bier sind Sie besonders stolz und warum?

Eigentlich auf alle, egal ob Hopfenstopfer oder Häffner Bräu, da sie alle meine Handschrift tragen.

4. Was sind Ihre Lieblingshopfensorten?

Ich mag die aromastarken Sorten, sei es deutscher Saphir oder Comet oder die amerikanischen Citra und Amarillo.

5. Was ist für Sie der schönste Ort der Welt?

Home sweet home.

6. Was sind Ihre persönlichen Ziele?

Die Craft Bier Bewegung mit meinen Bieren weiter voran zu treiben und den Leuten zeigen, wie vielfältig Bier sein kann.