Schräge Biere: Flower Power

Hibiskus, Löwenzahn oder Lavendel: Mutige Craft-Brauer entdecken jetzt auch Blumen als spannende Zutat für ungewöhnlichen Biere. Sie überraschen mit anschaulichem Farbenspiel im Glas und zünden ein echtes Geschmacksfeuerwerk.

Credit: Indeed Brewing Co.

Dass Blumenbeigaben interessante Aromen in den Sud zaubern können, wussten altehrwürdige Mönche bereits in einer Zeit, als das Reinheitsgebot allenfalls in klösterlichen Wäschekammern aufkam. Heute wissen wir, dass auch bestimmte Hopfensorten florale Noten ins Bier bringen können. Doch Blumenduft allein durch Hopfen zu erzielen, ist so manchem Craft-Brauer offenbar zu langweilig geworden. Um ihren Suden unvergleichbare Aromen zu schenken, experimentieren mutige Brauer aktuell lieber mit bunten Blütenpflanzen.

Der Experimentierfreude mutiger Craft-Brauer sind kaum Grenzen gesetzt. Schätzungen des Botanik-Forschers David Bramwell zufolge gibt es auf der Erde rund 422.000 Arten von Blütengewächsen. Ganz egal ob Jasmine, Lavendel, Rosen oder Löwenzahn: Die Blumenvielfalt sorgt nicht nur im Geschmack für spezielle Charakterzüge im Bier, sie präsentiert dem Genießer auch schon mal eine anschauliche Optik. Vor allem das knallrote Farbenspiel der Hibiskus-Blüten ist derzeit besonders beliebt. So schminkt etwa die Buddelship Brauerei aus Hamburg ein Saison namens „Brouge“ mit den Blüten des Hibiskus-Strauches und auch Stone Brewing in Berlin launchte vor wenigen Monaten gemeinsam mit der italienischen Birrificio Lambrate ein 6,2-prozentiges Pale Ale mit dem Malvengewächs. Das zart-fruchtige Aroma erinnert an Cranberrys.

Andreas Seufert von Pax Bräu aus der Rhön geht noch einen Schritt weiter: Er braut seine „Rhabarber Hibiskus Rosen Gose“ gleich mit zwei verschiedenen Blüten. Einerseits besticht das Bier durch die rötliche Optik des Hibiskus, aber auch das Rosen-Aroma, das durch Rosenwasser erzeugt wird, gibt dem Bier einen unvergleichlichen Charakter. Die mit Meersalz verfeinerte Gose überzeugte auch schon die Jury beim Meiningers Craft Beer Award und wurde mit einer Goldmedaille belohnt.

Zwar blieb das „White Ale“ der Lowlander Brauerei aus Amsterdam bislang von einem Medaillenregen verschont, dafür begeistert es mit einer seltenen Blumenmischung. Neben Holunderblüten verwendete das Brau-Team auch Kamille, was unkundige Biertrinker vielleicht an Erkältungstee erinnern dürfte. Umso überraschender ist es jedoch, welch sanft-würziges und blumiges Aroma dieses Heilgewächs dem Bier verleihen kann. So verwundert kaum, dass dieselbe Pflanze auch bei der New Belgium Brewing Company zum Einsatz kommt. Gemeinsam mit Elysian Brewing aus Seattle brauten die Macher aus Colorado ein schlankes, 5,1-prozentiges Blonde namens „The Trip XIII“, das sie mit Honig und Kamille verfeinerten.

Als blumiges Highlight für Craft-Freaks gilt jedoch das Farmhouse Ale „Brutus“ von der Fonta Flora Brewery in North Carolina. Dabei handelt es sich um ein Bier, das mit Löwenzahn aromatisiert und unter anderem mit Brettanomyces vergoren ist.  Dazu reift der Sud noch im Weinfass. Aber warum eigentlich Löwenzahn? Weil manche Brauer auch heute noch die gelbe Wiesenblume anstatt von Hopfen für die Bitterkeit einsetzten.

Für besonders tollkühne Mixturen ist auch die Indeed Brewing Company aus Minnesota bekannt. Ihr „Lavender, Sunflower Honey, Dates“ wird mit jeder Menge Lavendel, Sonnenblumenhonig und Datteln aromatisiert. Das 7,2-prozentigem Ale gibt es jedes Jahr nur in den Sommermonaten und animiert durch seine fruchtig-honigsüßen und intensiven Blumennoten. Josh Bischoff, Head Brewer bei Indeed Brewing schwärmt: „Mit dem Lavendel-Charakter ist es fast schon so, als würde man Bier in Parfüm umwandeln.“

Erschienen im Meininger’s CRAFT Magazin für Bierkultur.

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