Brauer-Portrait: Luis Seubert von True Brew Brewing – „Keine Berührungsängste vor alternativen Zutaten“

Luis Seubert

München hat eine neue Craft-Station. Die drei Kumpels Andreas Dünkel, Lucas Jochem und Luis Seubert öffneten vor wenigen Wochen ganz still und heimlich den Taproom „True Brew“ im Dreimühlenviertel. Aus zehn Hähnen fließen hier ihre eigenen Biere, die von IPA über Mexican Lager, Ambar Ale, Witbier und Helles, bis hin zu saisonalen Spezialitäten wie Pumpkin Ale reichen. Vier Sorten kommen aus den glänzenden Kupferkesseln hinter der Theke. Gerade erst füllten die Wahlmünchner ihr Vienna Style Lager auch in eine schicke Dose. Verantwortlich für die Sude ist Braumeister Luis, der die Biere als Gypsy in einer befreundeten Biermanufaktur braut. Die True Brew-Sorten besitzen den gewissen Kreativ-Kick und eine hohe Drinkability, um auch Craft-Novizen nicht zu verschrecken. Luis verrät, dass sich Bierfans künftig auf noch mehr besondere Spezialitäten in der neuen Münchner Location freuen können.

Die Fragen beantwortete Braumeister Luis Seubert:

Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Die richtige Mischung aus handwerklichem Können, Sachverstand, Kreativität und Leidenschaft…

…und was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Weniger ist mehr, da bin ich einfach gestrickt. Der Teufel steckt meiner Meinung nach im Detail. Ich finde ein feines, ausbalanciertes Pils oder Helles meist spannender und außergewöhnlicher als IPA und Co. Zudem bin ich ein großer Freund von Single-Hop-Bieren. Ich finde es interessant ein Bier auf die Charakterzüge einer einzelnen Hopfensorte auszurichten und so voll zur Geltung kommen zu lassen. IPA-Experimente mit sieben, acht oder gar einem Dutzend Sorten sind zwar ganz nett, schmecken meistens aber alle nach tropischem Fruchtkorb, wobei die charakteristischen Nuancen der einzelnen Hopfen dann leider etwas auf der Strecke bleiben.

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

Das war wohl 2010 im ersten Berufsschuljahr: ein Pils, originale Erstabfüllung der Schulbrauerei um 1982 und somit knapp 30 Jahre in der Flasche gelegen. Ein über die Jahre wunderbar bernsteinfarben gewordenes, schaurig oxidiertes und geschmacklich pappig-flaches Bier. Trotzdem fand ich es spannend, was nach 30 Jahren Dornröschenschlaf in einer Flasche so passiert.

Mit welchen ungewöhnlichen Zutaten würdest Du gern einmal brauen?

Ich habe generell keine Berührungsängste, solange es sich um natürliche Zutaten handelt. Wir haben ein paar Kreationen am Hahn, die mit alternativen Zutaten gebraut sind. Aktuell ein Pumpkin Ale, ein Mexican-Style Lager mit Mais und Limette sowie ein Witbier mit Koriandersamen und Bitterorangenschalen.  Auf der „to-brew-Liste“ steht auch noch ein Blood Orange IPA, aber da warte ich wohl noch bis Frühjahr/Sommer 2020.

Was ist eigentlich Dein Lieblingsgericht und was trinkst Du dazu?

Rindsrouladen von Oma und dazu ein kerniges Dunkles. Unschlagbar!

Wie siehst Du die Entwicklung der Craft-Bierszene in fünf Jahren?

Ich denke die Szene wird in den nächsten Jahren noch wachsen. Gerade im Süden der Republik ist im Gegensatz zu den Craft-Ballungszentren Berlin oder Hamburg noch viel Luft für kreative Köpfe. Der Qualitätsanspruch des Konsumenten wird noch deutlich steigen und somit auch der Anspruch an die Brauer und ihre Biere. Ich freu mich auf eine spannende Zukunft mit alten wie neuen Brauerkollegen, noch mehr interessanteren Bieren und einer Menge Spaß.

Und was hast Du als Nächstes vor?

Wir haben gerade unsere erste Biersorte in die Dose gebracht. Da werden demnächst auch noch ein weitere folgen. Ansonsten habe ich für den Winter noch ein paar spezielle Biere geplant. Langweilig wird es also erstmal nicht.

True Brew-Theke mit glänzenden Kupferkesseln