Brauer-Portrait: Schwarze Rose Craft Beer – quirliges Quereinsteiger-Quartett aus Mainz

Die drei Simons von Schwarze Rose Craft Beer. Inzwischen sind die Mainzer zu viert.

Drei Kumpels, eine Wohngemeinschaft, eine Leidenschaft: In ihrer WG in Mainz, die einst den Namen „Schwarze Rose“ trug, entdeckten die drei Simons ihre Passion für Craft-Bier. Inzwischen wohnen die Freunde zwar nicht mehr zusammen, aber ihr Herzblut zum Experimentieren, Genießen und Gestalten der eigenen Bierkreationen wuchs immer stärker. Seitdem basteln die Simons, zu dessen Team mittlerweile auch Daniel zählt, an immer neuen Rezepten. Im vergangenen Jahr entschied sich das Quereinsteiger-Quartett den Schritt zum Gypsy-Brauen in einer lokalen Brauerei zu wagen und einfach den Namen der WG zu übernehmen. Seitdem führt das „Schwarze Rose“-Team neben New England IPA und West Coast IPA auch ein Cold Brew Coffee Stout im Portfolio. Der nächste Sud, ein Double Dry Hopped Double IPA, liegt schon in der Pipeline – und sicher können sich Craft-Fans künftig noch auf einige kreative Sude der Mainzer freuen.

Die Fragen beantwortete Simon Rose:

Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Leidenschaft, Neugierde, eine gesunde Prise Perfektionismus und Geschmack. Ein guter Brauer sollte den Anspruch haben sich und seine Prozesse stets zu perfektionieren sowie ein gutes Gespür dafür entwickeln, welche Rohstoffe wie zusammenpassen.

Was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Balance spielt die wichtigste Rolle. Viele Craft-Brauer testen regelmäßig Grenzen aus, was wirklich spannend ist und meist auch zu großartigen Ergebnissen führt. Viele dieser Ergebnisse trinkt man aber auch oft nur einmal. Wenn du aber nicht genug von einem Bier bekommst und es dadurch aus der Masse hervorsticht, ist es ein außergewöhnlich gutes Bier.

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

Das war das „Room 309 Trüffel Ale“ von Freigeist & Hertl – ich kann bis heute nicht sagen wie ich es finde.

Mit welchen ungewöhnlichen Zutaten würdest Du gern einmal brauen?

Witzigerweise war das erste Bier, das wir durch den Hobbybrauwettbewerb der Mainzer CraftBeerMesse 2017 gemeinsam mit Kuehn Kunz Rosen brauten, das „Schrille Nacht IPA“ mit Piniennadeln, Kardamom und Piment. Das Bier hat uns auch ein wenig den Weg als Gypsy-Brauer geebnet. Jasminblüten in einem IPA fände ich sehr spannend. Grundlegend sind wir aber mehr daran interessiert durch modernen Einsatz der traditionellen Zutaten Hopfen, Malze und Hefen im Brauprozess und deren Kombinationsmöglichkeiten zu zeigen, was Bier alles kann, als mit anderen Zusätzen zu brauen. Gerade bei Malzen finde ich es neben Gerste und Weizen auch sehr spannend mal mit Hafer zu brauen.

Was ist eigentlich Dein Lieblingsgericht und was trinkst Du dazu?

Ich liebe Tacos! Dazu ein gutes West Coast IPA und ich bin glücklich.

Wie siehst Du die Entwicklung der Craft-Bierszene in fünf Jahren?

Ich denke, sie wird bis dahin noch um einiges wachsen. Gerade in unserer eher weinlastigen Region ist noch viel Luft für spannende Sude. Ich denke und hoffe, dass die Nachfrage an lokale und charakterstarke Biere weiter steigt und die Biervielfalt im Einzelhandel und in der Gastronomie immer größer wird.

Und was hast Du als Nächstes vor?

Wir sind ja erst sehr frisch dabei, daher ist alles noch äußerst aufregend. Wie man den Vertrieb ausbauen kann ist ein ständiger Aspekt unserer Diskussionen. Als Nächstes bringen wir jetzt ein DDH DIPA raus, darauf freue ich mich schon sehr, es liegt gerade im Tank. Ansonsten wollen wir weiter an neuen Rezepten tüfteln und spannende Biere brauen.

Kuehn Kunz Rosen: Von schrillen Nächten, wärmenden Böcken und asiatischen Experimenten

In der deutschen Craft-Szene sind die Macher von Kuehn Kunz Rosen aus Mainz längst kein Geheimtipp mehr. Mit ihren experimentellen Suden überraschen sie aber dennoch immer wieder ihre Fan-Gemeinde mit ganz ungewöhnlichen Bieren. Neben den Klassikern „Kerlig Hell“, „Festland“ und „Mystique IPA“, kommen gerade neue Sude auf den Markt, die sich auch mal fernab der Zutatenliste des heiligen Reinheitsgebots bewegen und ideal zur Vorweihnachtszeit passen. Drei der neuen Spezialitäten möchte ich euch gern vorstellen:

„Gutenberg Bock“ – die innere Wärmflasche

Nach einem ausgiebigen Spaziergang in den Wintermonaten gibt es wohl kaum etwas Besseres im Glas, als einen kräftigen Doppelbock. So fließt die 8,5-prozentige Variante der Mainzer in einem leuchtenden Bernsteinton ins Glas, ein fast schon sahniger und cremefarbener Schaum legt sich oben auf. Im Duft entfalten sich malzige Noten von Karamell und Waldhonig sowie ein würziger Anklang, der wohl von den ein gesetzten Hopfensorten Magnum und Spalter kommt. Im Mundraum breitet sich der Bock vollmundig aus. Aromen von Karamell, Waldhonig und Orange prägen das Geschmacksbild. Das Finish bleibt aromatisch und wirkt angenehm wärmend.

Fazit: Ein schmackhafter Doppelbock, der wohl niemanden so schnell überfordert. Wer noch einen starken Begleiter zur Weihnachtsgans mit Orangensauce sucht: et voilà.

„Thaipa“ – die asiatische Geschmacksbombe

India Pale Ales werden inzwischen ganz unterschiedlich interpretiert, aber so eine Variante habe ich bisher noch nie getrunken. Sein ungewöhnliches Aroma erlangt das „Thaipa“ neben den Hopfensorten Summit, Lemondrop und Citra vor allem durch den Einsatz von Zitronengras, Kaffir-Limetten und dessen Blättern sowie Thai-Basilikum. Goldorange zeigt sich das 6,5-prozentige Ale im Glas, der schneeweiße Schaum bleibt stabil. In die Nase strömen süßliche und tropische Düfte und intensive Noten von Zitronengras, Zitrus und Thai-Basilikum. Auf der Zunge explodiert die asiatische Geschmacksbombe vollends und zeigt ihre ganze Aromabandbreite. Das IPA zeigt sich durch das Thai-Basilikum frisch und würzig-süßlich. Hinzu kommen die fruchtigen Töne der eingesetzten Hopfensorten und der Kaffir-Limette. Im Finish zeigt sich noch eine angenehme Herbe.

Fazit: Das Experiment ist definitiv gelungen, aber wohl nichts für standard-orientierte Craft-Fans. Das wirklich spannende Aromaspiel lässt sich wunderbar mit asiatischen Speisen kombinieren, die eine gewisse Schärfe aufweisen. Für den puren Genuss am Biertisch zeigt sich das „Thaipa“ indes als sehr ungewöhnlicher Trunk, aber es lohnt sich auf jeden Fall, ihn mal zu probieren.

„Schrille Nacht“ – das winterliche India Pale Ale

Dem Spielraum bei IPAs sind offensichtlich keine Grenzen gesetzt. In einer Kooperation mit den Machern von der Brauerei Schwarze Rose aus Mainz, ist dieses winterliche IPA mit 6,8 Prozent Umdrehungen entstanden. In den Kessel kamen Piniennadeln, Kardamom und Piment. So leuchtet das Bier in einem kräftigen Orangeton durchs Glas. In die Nase werden sofort tropische Noten vom eingesetzten Simcoe-Hopfen katapultiert. Dazu paaren sich waldige Aromen der Piniennadeln. Auf der Zunge entfaltet sich eine cremige Vollmundigkeit mit Noten von reifer Mango, Pinie und den weihnachtlichen Gewürzen. Das Ale bleibt noch lange angenehm mit einer sanften Herbe im Rachen zurück.

Fazit: Der erste Eindruck mag manche Genießer dezent an Hustensaft erinnern. Aber schon der zweite Schluck hat mich komplett überzeugt und zeigt, dass dieses unkonventionelle Aromaspiel wirklich Spaß macht. Wer also mal ein ganz anderes IPA probieren möchte, der kommt an der „Schrillen Nacht“ nicht vorbei.