Exklusivinterview: Braukunst Live mit neuem Besitzer

Selbst für Insider kam die Message überraschend: Frank Böer, Gründer und Veranstalter der Braukunst Live (BKL) und der Finest Spirits in München, hat beide Messen an den renommierten Fachverlag Meininger verkauft, der auch das CRAFT Magazin herausgibt. Feiner Hopfen sprach exklusiv mit Christoph Meininger und Frank Böer über ihre Einschätzung des Craft-Biermarktes und einer künftigen Positionierung des Events.

Herr Böer, die Braukunst Live hat sich zu einer der wichtigsten Biermessen in Deutschland etabliert und findet dieses Jahr zum achten Mal statt. Nach Meinung von Analysten nimmt der Craft-Biermarkt weiter an Dynamik zu. Warum verkaufen Sie das Festival gerade zum jetzigen Zeitpunkt?


Kurz gesagt: Aus strategischen Überlegungen. 2005 waren wir mit der Finest Spirits das erste Festival im Süden, die vierte Messe in Deutschland. Heute gibt es buchstäblich hunderte Whisky-, Spirituosen- und Genussmessen in Deutschland. Nicht ganz so krass, aber im Grunde ähnlich verlief seit 2012 die Entwicklung beim Bier. Einerseits haben wir uns in diesem Umfeld all die Jahre ganz oben behauptet. Auf der anderen Seite: Wenn man in diesen Gewässern langfristig überleben will, muss man leistungsfähige Allianzen bilden.

Herr Meininger, Sie sind der neue Besitzer der Braukunst Live. Was reizt Sie an diesem Event?


Die Braukunst Live! war die erste Messe ihrer Art und ist dadurch der Platzhirsch in Deutschland und marktführend. Deshalb passt sie – zusammen mit Meiningers Craft – genial in unser Verlagsportfolio. Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite bewundere ich die Craft-Bierbrauer um ihren Ideenreichtum, ihren Individualismus, ihre Lust darauf, etwas Neues zu kreieren. Und wir wollen dabei helfen, dass die Message an Bierliebhaber, Handel und Gastronomie kommt.

Ihr Verlag gehört hierzulande zu den profiliertesten Medienhäusern im Getränke-Bereich. Was können Craft-Fans künftig von der Braukunst Live erwarten?


Wir möchten weiterhin den Craft-Biererzeugern die perfekte Plattform bieten, damit Image, Bierabsatz und das Wissen um Craft-Bier gepusht werden. Frank Böer hat ja bislang alles richtig gemacht. Das Bierfestival hat einen überaus hohen Bekanntheitsgrad, den wir mit Hilfe unseres Know-hows – Meiningers Craft und Meininger‘s International Craft Beer Award – weiter ausbauen möchten. Wir haben schon neue Ideen in petto, die wir aber erst verraten, wenn sie spruchreif sind.

Herr Böer, war der Verkauf für Sie auch eine ökonomische Entscheidung?


Konjunktur und Konsumklima werden sich ganz sicher eines Tages mal wieder eintrüben, was im Veranstaltungssektor zu einer begrüßenswerten Konsolidierung führen wird. Überleben wird dann derjenige, der breit, stark und innovativ aufgestellt ist. Gute Messen sind ein hoher, geradezu betriebswirtschaftlicher Wert, der über viele Jahre mit unglaublich viel Zeit, Geld, Know-how und Mühe geschaffen wurde – und zwar gerade auch seitens der beteiligten Aussteller. Diesen Wert gilt es zukunftssicher aufzustellen und dafür braucht man starke Partner. Der strategisch beste Zeitpunkt, mit unseren Festivals eine solche starke Allianz einzugehen, ist für mich genau jetzt.

Warum sehen Sie den Meininger Verlag mit all seinen medialen Potentialen als idealen Nachfolger?


Der Meininger Verlag ist einer der ältesten und renommiertesten deutschen Fachverlage für Wein, Spirituose und inzwischen bekanntlich Bier. Das Haus ist weit über die Branchen hinaus bestens vernetzt, hat bei zahlreichen Veranstaltungen und Wettbewerben jede Menge Erfahrung gesammelt, auch die bekannte Publikumsmesse Forum Vini in München läuft unter Meininger-Flagge. Daher bestehen auf zahlreichen Ebenen jede Menge professionelle Anknüpfungspunkte. Whisky, Sprit und Bier sind absolutes „people business“, man kennt sich – da zählen solche gemeinsamen Anknüpfungspunkte eine Menge. Die beiden Festivals waren 15 Jahre lang mein Leben, aufgebaut mit zwei tollen Mitarbeiterinnen, tollen Partnern und Subunternehmer, die über die Jahre – ebenso wie viele Aussteller – zu echten Freunden geworden sind. Dies alles in bester Ordnung an ein Haus wie Meininger zu übergeben, ist daher ein absoluter Gewinn für alle Beteiligten und macht mich stolz.

Und wie sehen Sie, Herr Meininger, die Entwicklung des deutschen Craft-Biermarktes in den kommenden fünf Jahren?


Craft-Bier hat eine enorme Chance, solange der Brauer den Bierliebhaber nicht aus den Augen verliert. Craft-Bier ist ein hochwertiges Nischenprodukt mit Potenzial nach oben, denn der Wunsch des Verbrauchers nach Individualisierung wird sich in den nächsten Jahren noch verstärken.

Herr Böer, wie haben Sie die Entwicklung der Craft-Bierbranche in all den Jahren empfunden? Und wo geht’s hin?


Craft-Bier hat nach meiner Ansicht definitiv eine große Zukunft, das Thema wird sich weiterhin stetig etablieren. Die Frage ist jedoch: Wie stark wächst das Segment und wie lange wird das dauern. Nach dem Boom der ersten Jahre macht sich nach meiner Einschätzung momentan etwas Ernüchterung breit: Die Absatzmenge an Craft-Bier wächst – aber nicht so schnell wie, zugegeben auch von mir – mal erwartet wurde. Zugleich aber sind in letzter Zeit viele neue Brau-Projekte ins Spiel gekommen. Und damit tummeln sich derzeit viele Fische in einem kleinen Teich. Hinzu kommt, dass sich auch der Craft-Bierabsatz stärker eher regionaler entwickelt. Fazit: Ich sehe für Craft-Bier eine große Zukunft – nach einer vermutlich noch etwas längeren Phase der Konsolidierung. Ein Event wie die Braukunst Live kann helfen den Markt zu stabilisieren und das Wachstum langfristig zu befördern.

Bleiben Sie der Craft-Szene treu oder gibt es neue unternehmerische Ideen?


Whisky und Craft-Bier werden immer mein Leben sein, aber beruflich geht es künftig um andere Dinge: Ich baue ab Sommer ein sehr spannendes Tourismus-Projekt in Nova Scotia, Kanada, auf, Details erfahrt ihr zu gegebener Zeit über meine Facebook-Seite. Auch dabei geht es um „Genuss-Erlebnisse“ – aber in einem ganz anderen Kontext als bisher. Für mich beginnt ein völlig neuer Abschnitt, eine völlig neue Herausforderung, auf die ich mich riesig freue.

Braukunst Live 2018: Von raren Spezialitäten, deutscher Bierstil-Power und fetziger Live-Musik

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Prost! Foto: BKL

Eines der führenden Bierfestivals Europas mit jährlich rund 8000 Besuchern und knapp 100 Ausstellern geht in die nächste Runde. Kommenden Freitag öffnen nachmittags endlich wieder die Pforten der Braukunst Live (BKL) im Münchener MVG Museum. Neben mittelständischen Spezialitätenbrauereien, bereits etablierten Craft-Brauern und spannenden Start-ups können sich Besucher auf viele Neuheiten und erstmals auch auf ein interessantes Musikprogramm freuen. Denn erstmalig wagte sich mit Michael Pöttinger, ein bekannter Rockmusiker, an einen eigenen Sud, den er zusammen mit dem Münchner Craft-Brauer „Hopfenhäcker“ speziell für das Bandprojekt BLOCK entwickelt hat. Wer Lust hat kann also zu späterer Stunde den Rockklängen lauschen und das passende Bandbier dazu genießen.

Den Fokus legte das Festival-Team in diesem Jahr allerdings auf die Rückbesinnung deutscher Bierstile, die durch moderne Umsetzung und hohe Trinkbarkeit überzeugen. Keine Sorge, neben Helles, Weißbier und Pils fließen auch salzige Gosen und saure Berliner Weisse ins Glas. Wer es doch lieber stärker mag, der kann ganz klar auch auf Imperial Stout, fassgelagerte Spezialitäten und alkoholreiche Eisböcke umsteigen. Ein Highlight des Festivals soll die „Rare Beer Area“ darstellen, die schon im vergangenen Jahr von BKL-Brand-Ambassador Wolfgang Stempfl ins Leben gerufen wurde. Karten dafür müssen separat gekauft werden.

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Foto: BKL

In einem Extraraum des MVG Museums verkostet Wolfgang Stempfl in Kooperation mit Marc Robens von der Bierbar „Craftbeer Corner“ aus Köln mit interessierten Teilnehmern einige Sude, die wirklichen Raritäten-Charakter versprechen. Neben Spezialitäten wie dem fassgereiften „Magnus 17“ von der Biermanufaktur Riegele, dem „Barrel Aged Double Chocolate Oatmeal Porter“ von der Stiegl-Hausbrauerei oder einem 8,5-prozentigen hellen Bock aus dem Whiskyfass von der Bierakademie Schweiz schenken die Bierprofis auch 16-prozentiges Imperial Stout aus Norwegen aus, dazu wilde Sude, aromatisiert mit Nektarinen sowie das historische „Adambier“ aus.

Eines ist schon mal sicher: Frank Böer hält mit der diesjährigen Braukunst Live wieder eine prallvolle Wundertüte für Genießer besonderer Bierspezialitäten bereit. Neben etablierten Craft-Marken wie Munich Brew Mafia, Yankee & Kraut, Tilmans Biere, Hoppebräu, Braumanufaktur Welde, Isarkindl oder Braukraft, erweitert sich die Ausstellergemeinde durch einige internationale Highlights: darunter die Brooklyn Brewery aus New York, Boustaa aus Österreich, Varionica aus Kroatien, Browar Gzub aus Polen und Lammin Sahti aus Finnland. Außerdem stellt die Hamburg Beer Company, die kürzlich erst den Import von den schottischen Punk-Brauern Brewdog übernommen hat, einige globale Spezialitäten aus. Langweilig wird es bei dieser Auswahl definitiv nicht.

Braukunst Live 2013: Meine Reise durch das Bierwunderland

Tolle Leute, super Biere und tropische Temperaturen. Der erste Tag auf der Braukunst Live in München war turbulent und feuchtfröhlich. Hier nun – mit etwas Verspätung – meine Eindrücke und Erlebnisse vom Bier-Sommelier-Crash-Kurs und Presserundgang bis zu vielen Fachgesprächen. Weiterlesen „Braukunst Live 2013: Meine Reise durch das Bierwunderland“